Persönlichkeitsentwicklung

  • Da kann man wohl schlecht Nein sagen?! Mit diesen 6 Tipps lernen Sie, sich abzugrenzen und sich aus der Ja-Sage-Falle zu befreien

    Nein sagen gehört nicht gerade zu Ihren Stärken? Sie leiden unter notorischer Ja-Sageritis? Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie der Verlockung widerstehen, vorschnell Ja zu sagen und Ihnen das langersehnte Nein leichter über die Lippen geht.

    Nehmen wir einmal fünf alltägliche Situationen, von denen Ihnen einige sicher vertraut sind.

    1. Die Kollegin bittet Sie mal wieder, einen Brief auf Französisch schreiben, „weil du das total gut kannst“. Sie können das tatsächlich gut, haben aber genug andere Dinge zu tun. Briefe auf Französisch fallen normalerweise eindeutig ins Ressort Ihrer Kollegin. Sagen Sie zu?
    2. Ein guter Freund möchte sich Geld von Ihnen leihen. Die Erfahrung zeigt, dass Sie dieses nie mehr sehen werden. Sie wollen beides nicht verlieren, weder das Geld noch den Freund. Willigen Sie ein?
    3. Ein Kollege steht in der Tür, während Sie eine wichtige Aufgabe bearbeiten. Er will „nur mal schnell 3 Minuten deine Hilfe“. Sie wissen, es werden garantiert mehr als 3 Minuten. Lassen Sie es dennoch über sich ergehen?
    4. Ihr Chef möchte, dass Sie noch diese eine „kleine“ Aufgabe erledigen. Ihr To-Do-Stapel platzt so schon aus allen Nähten. Sie wissen: Wenn Sie Nein sagen, dann stellt er freundlich in Frage, ob Sie „der geeignete Mann an der richtigen Stelle sind“. Sagen Sie zu?
    5. Anders als im letzten Jahr möchten Sie Ihren Geburtstag im kleinen Rahmen feiern. Da lädt sich jemand, der für den Kreis eigentlich nicht vorgesehen war, quasi selber ein: „ Du hast ja nächste Woche Geburtstag! Hast Du einen speziellen Wunsch? Soll ich zu der Feier etwas mitbringen?“ Fühlen Sie sich verpflichtet, die Person nun doch willkommen zu heißen?

    Lautet Ihre Antwort überwiegend Ja? Würden Sie in diesen Situationen ein klares Nein nur mühevoll und ungern über die Lippen bringen? Damit geht es Ihnen wie vielen anderen Menschen auch. Wir lassen uns schnell zu etwas überreden, was wir doch eigentlich gar nicht so richtig wollen. Und leider bleibt es selten bei diesem einen Mal. Was treibt uns zu solch vorschnellen Einwilligungen? Was macht die Abgrenzung in diesen Momenten so schwer?

    Warum wir uns mit dem Nein sagen so schwer tun … und warum es sich trotzdem lohnt

    Es ist im Grunde ganz einfach. Eines unserer Grundbedürfnisse ist das nach Bindung. Wir wollen dazugehören. Und gebraucht werden. Mit einem Ja erhoffen wir uns insgeheim Anerkennung und Wertschätzung. Wenn wir uns nicht abgrenzen, dann tun wir das, weil wir Angst vor negativen Konsequenzen haben: Weniger gemocht und abgelehnt zu werden. Aber es gibt noch andere gute Gründe:

    • Wir mögen das Gefühl, etwas Positives zum Leben anderer beizutragen, etwas bewirken zu können.
    • Wir wollen andere nicht vor den Kopf stoßen oder verletzen.
    • Wir wollen nicht als herzlos, egoistisch oder egozentrisch gelten.
    • Wir haben den Wunsch, ohne Schuldgefühle durch den Tag zu gehen.

    Der Preis für das „sich nicht abgrenzen“? Wir fühlen uns gestresst, wenn wir beispielsweise mit unseren Aufgaben nicht fertig werden. Viele meiner Coachingklienten berichten, dass sie am Abend oft heimgehen und sich fragen, was sie eigentlich den gesamten Tag gemacht haben. Gefühlt sind sie ständig unterbrochen worden. Nein haben sie selten bis nie gesagt: „Frau Bossmann, das kann man bei uns nicht machen“ ist eine Standardantwort, die ich auf meine naive Frage bekomme.

    Oft braucht es nicht viel, damit das Leben stressfreier wird. Genau genommen reicht ein einziges Wort. Ein Nein kann Wunder vollbringen: Plötzlich hat man Zeit für Dinge, die man schon länger erledigen wollte. Umgekehrt bürden Sie sich mit einem Ja zur persönlich unwichtigen Angelegenheit weitere Belastungen auf. Ein klares Nein, das ist das beste orale Stressverhütungsmittel, das ich kenne. Claus Gademann, ein deutscher Schriftsteller, formuliert es auch ganz treffend:

    Das Wörtchen „nein“ steht ganz vorn unter den Waffen gegen Zeitfresser.

    So gelingt Ihnen ein selbstbestimmtes und charmantes Nein

    Tipp 1: Finden Sie heraus, warum es Ihnen so schwer fällt, NEIN zu sagen!

    Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass es vielfältige Gründe und Erklärungen für das Nicht-Nein-Sagen-Können gibt. Der erste Schritt in Richtung Verhaltensänderung lautet daher: Kommen Sie sich selbst auf die Schliche! Nur wenn Sie sich Klarheit über Ihre ganz persönlichen Motive verschaffen, haben Sie eine realistische Möglichkeit, Ihre Bedenken und Ängste zu überwinden.
    Fragen Sie sich:

    • Was könnte passieren, wenn Sie öfter Nein sagen?
    • Was ist das Schlimmste, das Sie sich vorstellen können?
    • Was befürchten Sie?
    • Was wollen Sie erreichen, wenn Sie Ja zu etwas sagen, zu dem Sie eigentlich Nein sagen möchten?
    • Welcher Wert verbirgt sich dahinter?

    Tipp 2: Halten Sie sich vor Augen: Es ist nie so schlimm wie man denkt. Und wenn doch, dann halten Sie Ihr Trostpflaster bereit!

    Oft malen wir uns die schlimmsten Konsequenzen eines einfach Neins aus: Der Andere hält mich für herzlos, wird mich künftig ignorieren oder sogar die Freundschaft kündigen. Die Realität ist eine andere: Nein-Sagen an sich verändert meist nicht die Beziehung zum Gegenüber. Versetzen Sie sich gedanklich in die Lage des Anderen: Wie schätzen Sie Personen ein, die Ihnen ein bestimmtes „Ich möchte lieber nicht.“ entgegenbringen? Möglicherweise sind Sie zuerst gekränkt, aber letztendlich bewundern Sie die Stärke, Nein sagen zu können. Und wenn Sie fürchten, es wird in einer bestimmten Situation genau so schlimm, wie Sie denken, dann bauen Sie vor: Denken Sie jetzt schon daran, was Ihnen helfen könnte, die unguten Gefühle auszuhalten, die entstehen, wenn der Andere, zu dem Sie Nein gesagt haben, etwas schlechtes über Sie denkt oder erzählt.

    Tipp 3: Besinnen Sie sich auf Ihre Nein-Sage-Fähigkeiten und stärken Sie Ihr inneres Ja!

    Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Nein-Sagen können wir alle. Das ist nicht das Problem! Jeder von uns kann in Situationen Nein sagen, die es unbedingt verlangen.

    • Wenn die Schule anruft und Ihnen erzählt, Ihr Kind hat 40 Grad Fieber, dann können Sie auch den Kollegen stehen lassen.
    • Wenn Sie möglicherweise Ihren Flieger verpassen, dann können Sie den Vielredner am Telefon unproblematisch stoppen.
    • Wenn Sie wissen, Sie kriegen mit Ihrem Mann den größten Streit Ihres Lebens, wenn Matthias (in den Augen Ihres Mannes der größte Angeber) zum nächsten Grillfest antanzt, dann können Sie ihn ausladen.

    Wieso gelingt uns das Nein in diesen Situationen? Ganz einfach! Weil wir ein klares Ja vor Augen haben.

    Ich selbst kenne das auch. Ich lag gerade erst flach. Infekt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je Kunden versetzt habe. Ich dachte immer, ich kann nicht Nein sagen. Dann kommen die nicht wieder. Vertrauen und so. Tja, was soll ich sagen? Dieses Mal war der Infekt so heftig, dass ich keine Chance hatte. Mir war klar, wenn ich den Termin nicht absage, dann werde ich umkippen. (Man könnte sagen, mein inneres Ja zum „stets professionell wirken“ war mir da sehr präsent :-)).

    Was lernen Sie daraus? Um das Nein wahrscheinlicher zu machen, brauchen Sie ein klares Ja. Das ist in der Situation, in der Ihr Kollege Sie um Hilfe bittet, nämlich in der hintersten Ecke Ihres Kopfes. Die unmittelbare Bedrohung (Angst vor Ablehnung oder so) steht Ihnen aber von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Fragen Sie sich für die Situation, in der Sie gern Nein sagen würden: Angenommen, es würde Ihnen in dieser Situation zukünftig gelingen, mehr Nein zu sagen, wozu würden Sie dadurch Ja sagen? Wie wären die Auswirkungen auf Sie, Ihnen wichtige Beziehungen, Ihre Arbeit, Kollegen etc.? Was würde durch das Nein an dieser Stelle auf der anderen Seite gestärkt und befördert?

    Einem Coache ist genau diese klar geworden: Wenn er zu seinem Chef Nein sagt, dann sagt er Ja zu seiner Familie. Einem anderen, dass ein Nein zu dem dauerunterbrechenden Kollegen ein Ja zur Erfüllung seiner eigentlichen Aufgaben ist.

    Die Stärkung des inneren Ja´s gelingt auch, wenn Sie sich klar machen, welchen Preis Sie für das Nicht-Nein-Sagen zahlen.

    In der konkreten, schwierigen Situation haben wir nämlich meist nur den Preis vor Augen, den wir zahlen, wenn wir unserem Gegenüber Nein sagen würden („Oh Gott, was denkt der nur über mich?!“). Fragen Sie sich aber doch einmal: Wer zahlt den Preis, wenn Sie weiterhin Ja sagen? Ihre Kinder, weil Sie nicht pünktlich Feierabend machen? Ihre Mitarbeiter oder Kollegen, weil Sie dauergereizt durch die Gegend laufen?

    Tipp 4: Stärken Sie Ihre eigenen Antennen und gewinnen Sie Zeit!

    Ganz oft geraten wir doch genau in die Situation: Der andere erwischt uns unvorbereitet zwischen Tür und Angel und wir antworten schon fast reflexhaft Ja, obwohl wir uns doch eigentlich vorgenommen hatten, endlich mal Nein zu sagen. Kennen Sie? Ganz normal. In unser aller Gehirn gleichen die Verknüpfungen, die uns zum vorschnellen Ja bewegen, einer großzügig ausgebauten Autobahn. Das geht alles blitzschnell. Was das heißt?

    Gewinnen Sie Zeit!

    Legen Sie sich ein paar Standardsätze zurecht, auf die Sie immer zurückgreifen können. Einige Klassiker: „Da möchte ich erst eine Nacht darüber schlafen“ oder „Gerade habe ich nicht die notwendige Zeit, um mich xy zu widmen. Es ist mir wichtig, das in Ruhe mit dir/ Ihnen zu besprechen. Ich melde mich.“. Was auch immer es ist. Selbst ein „Ich muss schnell auf´s Klo“ oder „Bin mit meiner Oma zum Telefonat verabredet “ wäre ok, wenn Sie nur die Zeit gewinnen, einmal durchzuatmen, sich zu überlegen, wozu Sie hier Ja sagen, wenn Sie Nein sagen (siehe Tipp 3)!

    Tipp 5: Machen Sie ein Gegenangebot, setzen Sie ein Zeitlimit – ein Teil-Nein ist ein guter Anfang

    Der Ton macht bekanntlich die Musik: Mit einem behutsamen und respektvollen Nein vermeiden Sie es, Ihr Gegenüber zu verletzen. Zeigen Sie Verständnis für seine Bitte, bedanken Sie sich dafür, dass er Ihnen die Aufgabe zutraut und Vertrauen in Sie hat. Oder setzen Sie einen Zeitrahmen: Wenn es die Umzugshilfe ist, bieten Sie Ihre Hilfe von 12-14 Uhr an. Alternativ können Sie einen Gegenvorschlag machen. Damit zeigen Sie, dass der Andere Ihnen nicht egal ist und machen gleichzeitig klar, dass Sie nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Das geht auch wunderbar mit den „Mal eben kurz 3 Minuten Reden“-Typen. Wenn Sie direkt zu Beginn sagen: „Ok, ich habe drei Minuten Zeit. Dann werde ich das Gespräch abbrechen, egal, wo wir gerade stehen“, wird es Ihnen leichter fallen, nach 3 Minuten tatsächlich das Gespräch zu beenden.

    Tipp 6: Machen Sie sich klar: Sie haben eine Wahl!

    Kein Roboter befindet sich in unserem Kopf. Kein grüner Gnom greift unsere Stimmbänder an. Sie haben stets die Wahl, wenn jemand Sie um etwas bittet. Oder um es in den Worten von George Orwell zu sagen:

    Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.

    Lassen Sie nicht zu, dass Sie durch das Wörtchen Ja anderen Menschen mehr Bedeutung zumessen als sich selbst. Ein Nein hat nichts mit Egoismus zu tun. Es drückt vielmehr das Recht und die Pflicht aus, sich um sich selbst zu kümmern. Lassen Sie nicht zu, dass jemand anderes Ihr Leben mehr gestaltet als Sie selbst. Werden Sie sich darüber klar, was Sie wollen.

    Die Fähigkeit, Nein zu sagen, ist die Geburt der Individualität. (René A. Spitz)

    Ich freue mich über Kommentare! In welchen Situationen fällt Ihnen die Abgrenzung besonders schwer? Wann ist es Ihnen gelungen? Was hat Ihnen geholfen, die Abgrenzung wahrscheinlicher zu machen?

  • Von Abschlüssen und Rückschlüssen

    [vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Dieser Artikel ist eine Premiere: Ein Beitrag, der nicht aus meiner eigenen Feder stammt. Entstanden ist er aus einer Reihe von gleichermaßen leichtgängigen wie tiefschürfenden Gesprächen mit Jasmin Schneider, die als Sterbehelferin arbeitet und dabei dem Leben so nah ist. Sie hört oft „Das wäre nichts für mich“, wenn sie davon berichtet, dass sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin bei einem ambulanten Hospizdienst tätig ist. Wir aber sind uns einig: Wer sich selbst zumutet, sich mit dem „Tabu“-Thema Sterben zu beschäftigen, erlebt vor allem eins: Eine Bereicherung für das eigene Leben. Was das konkret sein kann, wird Ihnen Jasmin Schneider in diesem Artikel in fünf Lektionen „beizubringen“ versuchen. Damit leistet sie in meinen Augen einen Beitrag zu mehr Achtsamkeit und Bewusstheit im Leben.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Lektion 1: Den Blick für’s Wesentliche schärfen.

    Im Alltag machen wir uns selten Gedanken darüber, was uns für die Zeit am Ende des eigenen Lebens wichtig sein könnte, was uns in dieser Zeit noch ‚glücklich‘ machen würde. Zugegebenermaßen ist das gar nicht einfach zu beantworten, aber im Rahmen der Sterbebegleitung stellt man sich irgendwann automatisch auch selbst die Frage: Was wäre mir denn wichtig? Diese Frage erfordert einen Perspektivwechsel, der Aufschluss über viele Dinge geben kann, die uns zuvor vielleicht nicht offensichtlich klar, nicht bewusst waren. Sich diese Frage in Ruhe zu stellen und sich auf die ganz eigene Antwort darauf einzulassen, schärft den Blick für das, was uns auch im Hier und Heute wichtiger sein sollte. Es ermöglicht uns, Wesentliches von Unwesentlichem deutlicher unterscheiden zu können – und es verleiht die Kraft und den Mut dazu, das eigene Leben anhand dieser Erkenntnis neu zu gestalten.[dt_gap height=“10″ /]

    Tipp: Gönne dir die Zeit, darüber nachzudenken, was dir im Leben wirklich wichtig ist.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Lektion 2: Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit – und Dankbarkeit!

    Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest… – eine hypothetische Frage, aber gar nicht allzu weit hergeholt: Wenn wir Menschen sterben müssen, dann passt das eigentlich selten in unseren (Lebens-) Plan. Aber unabhängig vom Alter, unabhängig von den eigenen Plänen und Intentionen, es wird für uns alle der Tag kommen, an dem es kein Morgen mehr gibt, auf das wir bestimmte Dinge verschieben können. An denen wir die Dinge, die uns heute noch selbstverständlich erschienen, vermissen werden, und gerne nur noch ein einziges Mal erleben, wahrnehmen und genießen würden. Sich noch einmal von der Wärme der ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf der Nase kitzeln lassen, noch einmal den eigenen geliebten Garten sehen, beobachten, wie er langsam vom ersten Schnee bedeckt wird. Morgens an der Seite einer geliebten Person aufwachen, gemeinsam einen guten Café genießen. Solche Dinge halten wir im gewöhnlichen Alltagstrott viel zu häufig für selbstverständlich und nehmen gar nicht wahr, dass sie das eigentlich gar nicht sind. Wir lassen diese kostbaren Momente viel zu oft unbeachtet an uns vorbei ziehen und würdigen sie  nicht in dem Ausmaß, wie wir das ihrer Bedeutung nach eigentlich tun sollten. Wir sollten uns hin und wieder die Zeit nehmen, sie ausgiebig zu betrachten und zu genießen. Mit all unseren Sinnen bei ihnen zu verweilen, kurz inne zu halten, und uns über ihren Wert klar sein – jetzt, und hier und heute.[dt_gap height=“10″ /]

    Tipp: Genieße ganz bewusst schöne Momente, die du heute vielleicht für selbstverständlich hältst.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Lektion 3: Gelassenheit.

    Wenn man sich einmal ganz bewusst der Frage gestellt hat, was im eigenen Leben von Bedeutung ist und sein soll, und man sich darüber klar wird, wie wenig selbstverständlich vieles ist, dann wird man automatisch in vieler Hinsicht gelassener. Gelassener, was Unstimmigkeiten oder Aufregungen des alltäglichen Wahnsinns angeht, die zu anderen Zeiten einen katastrophalen Wutanfall ausgelöst hätten. Dabei besitzt jeder von uns einen inneren Radar, der uns dabei hilft, Dinge anhand verschiedener Dimensionen wie Wichtigkeit, Sinnhaftigkeit, Bedeutungslosigkeit oder Irrelevanz einzuordnen. Diesen Radar ignorieren wir allerdings, weil seine Hinweise zu oft in Widerspruch zu den Anforderungen stehen, die von unserer Umgebung an uns heran getragen werden. Wenn wir diesem Radar wieder trauen lernen und uns von ihm leiten lassen, kann das einen sehr guten Schutz angesichts einer immensen Vielzahl an Stressoren des Alltags bieten.[dt_gap height=“10″ /]

    Tipp: Entscheide dich bewusst dafür, welche Dinge dich Nerven kosten dürfen, und welche nicht.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Lektion 4: Den Moment perfekt machen, anstatt darauf zu warten, dass er es irgendwie von sich aus wird.

    „Ich gehe lieber auf Nummer sicher und warte lieber erst mal ab, bis…“ – ja, bis was eigentlich? Oft reden wir uns selbst ein, dass der richtige Zeitpunkt für bestimmte Dinge einfach „erst noch kommen müsse“. Anstatt unseren Intuitionen nachzugehen und zu vertrauen, tun wir sie ab und verschieben sie auf einen unbekannten Zeitpunkt. Worauf wir dabei eigentlich wirklich warten, wissen wir meist selbst nicht genau. Wenn dir eine Sache aber so wichtig erscheint, dass du immer wieder mit dem Gedanken spielst, es doch vielleicht probieren haben zu müssen, dann hat dieser innere Impuls schon seine Daseins-Berechtigung. Sollte sich der eigene Perfektionismus dem Tatendrang dann in den Weg zu stellen wagen, dann kann man sich an diesen Rat halten, den mir eine gute Freundin einmal nachdrücklich erteilte: „Done is better than perfect!“[dt_gap height=“10″ /]

    Tipp: Solange wir es nicht besser wissen, gilt: Wir haben eine einzige Chance, um das Leben mit allen Sinnen, Höhen und Tiefen voll auszuschöpfen.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Lektion 5: Aushalten.

    Wenn wir erfahren, dass jemand im Bekannten- oder Freundeskreis möglicherweise kurz vor einem schweren Verlust steht, oder diesen auch schon erlitten hat, dann fühlen wir uns meistens sehr ohnmächtig und haben nicht wirklich das Gefühl, etwas sagen, etwas hilfreiches Tun zu können. Oftmals sind wir so überfordert, dass schon die alleinige Vorstellung darüber, der Person zu begegnen, Unbehagen in uns auslöst („Was soll man denn auch sagen?“). Im Prinzip wissen wir, dass es gerade solche Situationen sind, die unsere Mitmenschlichkeit erfordern und in denen es wichtiger ist denn je, „da“ zu sein. Faktisch verwehren wir unserem Gegenüber aber häufig lieber unser „offenes Ohr“, um uns selbst zu schützen, vor der Auseinandersetzung mit einer Thematik, mit der sich am Ende des Tages eben doch jeder Mensch auseinander setzen wird müssen. Diese Taktik des Wegschauens führt einerseits dazu, dass betroffene Menschen zu ihrer eigentlichen Situation miterleben müssen, dass sich mit vielen Freunden gar nicht so viel anfangen lässt, weil diese in wirklich schwierigen Zeiten zu sehr damit beschäftigt sind, sich selbst vor der Auseinandersetzung mit diesem unliebsamen Thema zu schützen. Eine offene, ehrliche, authentische und auch geduldige Bereitschaft, bei Bedarf zur Verfügung zu stehen, zu signalisieren, dass man mittragen, mitgehen und vor allem einfach auch mit aushalten versuchen will, ist vielleicht das Größte, was man als Freund in solchen Situationen anbieten kann.

    Durch unser Verdrängungsverhalten (so lange ignorieren wie nur möglich) nehmen wir uns aber auch selbst eine wichtige Erfahrung, an der wir immens wachsen können. Wir verpassen dadurch die Chance, zu erleben, dass man auch Situationen, die schon unsere Vorstellungskraft von Schwere und Traurigkeit übersteigen, zu einem gewissen Ausmaß mit gestalten und mit schönen Momenten füllen kann. Dass es Momente voller Wut und Traurigkeit und Angst gibt, aber dass es eben auch Momente gibt, in denen alle Beteiligten spüren, wie wertvoll gemeinsame Momente, Gespräche und auch Abschiede sein können. Wir nehmen uns selbst die Chance, die wichtigen Erkenntnisse, die unsere Endlichkeit mit sich bringt, in die Tat umzusetzen.[dt_gap height=“10″ /]

    Tipp: Traue dir selbst die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben“ zu, und du wirst über die neue Qualität mancher Gespräche und Beziehungen staunen.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Literatur-Empfehlungen zum Thema

    Daniela Tausch-Flammer & Lis Bickel: Jeder Tag ist kostbar. HERDER spektrum Verlag.

    Ein bereicherndes und faszinierendes Buch, das genau das vermittelt, was der Titel ankündigt: Jeder Tag ist kostbar.

    dada peng – mein buch vom leben und sterben

    Eines meiner Lieblingsbücher zum Thema Sterben und Tod – der Künstler Dada Peng beschreibt und umspielt seine Erfahrungen und Eindrücke aus dem Leben und der Arbeit im Hospiz mit warmen Worten, Herzblut und einer frischen, anmutigen, inspirierenden und lesenswerten Perspektive.[/vc_column_text][dt_gap height=“20″][vc_column_text]Das Beste kommt zum Schluss

    „When you are in the final days of your life, what will you want? Will you hug that college degree in the walnut frame? Will you ask to be carried to the garage so you can sit in your car? Will you find comfort in rereading your financial statement? Of course not. What will matter then will be people. If relationships will matter most then, shouldn’t they matter most now?“ (Max Lucado)

    [dt_gap height=“10″ /]

    Wenn Sie mögen, hinterlassen Sie uns doch Ihre Kommentare. Wir würden uns freuen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

  • 7 Klassiker, um wirkungsvolle Ziele zu formulieren

    [vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Der Jahreswechsel ist für die meisten von uns eine Zeit, in der wir Bilanz ziehen und gute Vorsätze fassen. Prinzipiell eine gute Sache: Zwischen den Jahren kehrt etwas Ruhe in den sonst meist hektischen Alltag ein. Das lässt uns Zeit und lädt uns dazu ein, uns selbst und das eigene Leben mit etwas Abstand zu betrachten. Bilanz zu ziehen. Im Idealfall heißt das auch: Das feiern, was gut läuft (mehr davon!) und die Dinge ändern, die nicht gut laufen. Ziele setzen also. Dumm nur, dass die meisten Ziele spätestens Ende Januar in Vergessenheit geraten sind und viele Vorsätze doch nicht umgesetzt werden. Das liegt meist daran, dass wir es uns bei der Zielformulierung und Zielerreichung unnötig schwer gemacht haben.

    Deswegen liefere ich in der Serie „Alle Jahre wieder. Ziele setzen und tatsächlich auch erreichen“ Tipps und Kniffe, wie Sie typische Fallstricke bei der Zielsetzung umgehen können und Ihre Ziele auch tatsächlich erreichen. Im ersten Teil gebe ich Ihnen sieben Tipps, wie Sie Ziele wirkungsvoll formulieren.[/vc_column_text][dt_gap height=“10″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]1. Schreiben Sie Ihr Ziel auf.
    Damit meine ich nicht eine virtuelle Liste in Ihrem Kopf. Echt aufschreiben. Am besten auf Papier. Das erhöht das Gefühl der inneren Verpflichtung. Visuelle Ästheten unter uns können sich mit kleinen, hübschen Post-It´s, Stickern oder was auch immer Spiegel, Kühlschränke und die Innenseiten von Briefkästen verschönern.

    2. Gute Ziele = attraktive Ziele, die sich gut anfühlen.
    Ein Ziel ist ein gutes Ziel, wenn es wirklich attraktiv für Sie ist. Wenn Sie es wirklich wollen. Selbst wollen. Nicht, weil Tante Erna will, dass Sie wollen oder weil Sie denken, Sie würden etwas hübscher/ erfolgreicher / zufriedener sein, wenn Sie irgendetwas erreichen. Ein attraktives Ziel erkennen Sie daran, dass auch Ihr Bauch „JA“ dazu sagt. Das merken Sie im Idealfall körperlich. Antonio Damasio, ein portugiesischer Neurowissenschaftler, bezeichnet  das als „somatische Marker“. Das sind körperliche Reaktionen, die uns zeigen, ob wir uns in Bezug auf eine Situation oder ein Ziel gut oder schlecht fühlen. Also: Haben Sie ein Lächeln auf den Lippen, wenn Sie an Ihr Ziel und dessen Erreichung denken? Leuchten die Augen? Atmen Sie tief und entspannt? Gut!

    3. Ein Ziel positiv zu formulieren hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Hirn.
    Formulieren Sie Ihr Ziel positiv und beschreiben Sie den erwünschten Endzustand. Wir Psychologen nennen das Annäherungsziel. Im Unterschied zu Vermeidungszielen, bei denen wir formulieren, was wir nicht mehr wollen. Wenn Sie sagen „Ich will nicht mehr rauchen.“, erinnern Sie Ihr Gehirn ständig daran, was Sie eigentlich nicht mehr wollen. Denn Ihr Gehirn versteht nur „Rauchen!“. Hypnotischer Auftrag an sich selbst. Braucht kein Mensch und funktioniert vor allem auch nicht. Besser ist es also, sich das Leben als Exraucher mit allen Sinnen auszumalen.

    4. Werden Sie konkret. So konkret es eben geht!
    Der Grad der Präzisierung unterscheidet ein Ziel von einem (mehr oder minder vagen) Wunsch! Also: Was genau wollen Sie erreichen? Abnehmen? Zu ungenau! 5 Kilo bis zum 01.03.2014, jede Woche 0,5 kg, wiegen immer freitags – das ist genau. Etwas mehr Sport treiben? Zu ungenau! Jede Woche am Dienstag und Freitag für 30 Minuten am Vor-, Nachmittag oder Abend im Oberwald (für die Karlsruher Leser) joggen gehen – das ist genau.

    5. Kluge Menschen formulieren anspruchsvolle, aber realistisch erreichbare Ziele. Keine größenwahnsinnigen.
    Das Ziel kann noch so attraktiv sein – wenn es nicht erreichbar scheint, werden Sie garantiert irgendwann keine Energie mehr dafür aufbringen. Das soll jetzt nicht heißen, Ziele sollten nicht anspruchsvoll sein. Dürfen Sie. Nur nicht so hochgesteckt, dass uns der kleine Mann im Ohr schon von Anfang an vollquatscht mit „Das schaffst du eh nie.“. Wer wissen will, wie man das macht, findet vielleicht die „goal attainment scale“ nützlich. Außerdem gibt es auch einen kurzen Artikel zum Inneren Kritiker und wie er zu bändigen ist.

    6. Die Zielerreichung liegt in Ihrer Hand und ist vollständig in Ihrer Kontrolle.
    Formulieren Sie Ziele so, dass Sie nicht von anderen Personen, dem Schicksal oder Zufall abhängen. Wenn die Zielerreichung nicht  von Ihnen allein abhängt, sondern davon, dass „andere mitziehen“, sich bestimmte günstige Sternenkonstellationen erst ergeben müssen oder der liebe Gott es gut mit Ihnen meint, dann werfen Sie das Ziel über Bord oder formulieren Sie es so um, dass Sie es nur von Ihnen allein abhängt. Erfolge können Sie sich dann ganz allein zuschreiben – aus motivationaler Sicht sehr wichtig.

    7. Verbündete, Nachfrager und Auf-die-Füße-Treter gesucht!
    Auch wenn Sie Ihre Zielerreichung nicht von anderen abhängig machen sollten, können Sie sich Verbündete suchen. Zum Beispiel, indem Sie einer bestimmten Person Ihr Ziel verraten, die Ihnen regelmäßig auf die Füße tritt und nachfragt, was daraus geworden ist. Erhöht die Verbindlichkeit.[/vc_column_text][dt_gap height=“10″][vc_column_text]Als Eselsbrücke zum leichteren Merken kann das von George Doran bereits 1981 publizierte Acronym SMART helfen. Ziele sollten also
    Ziele SMART formulieren_Foto

    sein.[/vc_column_text][dt_gap height=“10″][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]

    Wir alle haben Ziele – kleinere und größere. Sie helfen uns, uns bewusst zu entwickeln und lenken den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte. Nicht immer erreichen wir jedoch das, was wir uns vornehmen. Die Beiträge der Serie „Alle Jahre wieder. Ziele setzen und tatsächlich auch erreichen“ sollen Ihnen helfen, wirkungsvolle Ziele zu formulieren und liefern Ihnen Anstöße, psychologisches Know-how und Tipps, wie Sie Ihre Ziele auch in die Tat umsetzen. Das schafft Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstwirksamkeitserleben („ich kann das hinbekommen, was ich mir vornehme“).

    [/vc_column_text][dt_gap height=“10″][/vc_column][/vc_row]

  • Das kleine Männchen im Kopf: Der Innere Kritiker

    [vc_row][vc_column][vc_column_text]Sie kennen diese Stimme sicher auch. Die Ihnen immer wieder ins Ohr flüstert – mal leise, mal bedrohlich, mal laut und aggressiv. Der Tenor ist aber immer derselbe: Das kannst du nicht! Das darfst du nicht! Das geht bestimmt in die Hose! Streng dich mehr an – das war noch nicht genug!

    Das führt zu Stress: In der aktuellen Stressstudie der TK „Bleib locker, Deutschland“ gaben 41% der Befragten an, dass sie hohe Ansprüche an sich selbst belasten.

    Diese Stimme ist bekannt als „der innere Kritiker“ (oder auch Antreiber). Grundsätzlich ist diese Stimme überhaupt nichts Schlechtes. Wenn die eigenen Denkmuster jedoch allzu destruktiv werden und dadurch die eigenen Handlungsoptionen schrumpfen, dann wird es Zeit zu handeln. Denn meist erreichen wir dann uns wichtige Ziele nicht, weil uns irgendwelche Glaubenssätze, die uns der Innere Kritiker mit anhaltender Penetranz „vorsingt“ vom Handeln abhalten. Das wäre jedoch schade, denn der Innere Kritiker oder Antreiber ist nur eine Stimme in uns. Es gibt sicher auch andere.

    Am 12. Oktober 2013 habe ich einen Vortrag gehalten, der sich ausführlich mit dieser inneren Stimme beschäftigte. Es ging darum, möglicherweise vorhandene destruktive Denk- und Verhaltensmuster besser zu verstehen und vor allem überwinden zu können, um die eigenen Ziele zu erreichen.

    Drei Einsteigertipps

    [dt_list style=“1″ dividers=“false“]

    [dt_list_item image=““]Nehmen Sie zunächst die Stimme in Ihnen überhaupt bewusst wahr. In welchen Situationen taucht sie auf? Was sind Lieblingssätze? …[/dt_list_item]

    [dt_list_item image=““]Machen Sie sich klar, dass der Innere Kritiker nicht irgendeine objektive Wahrheit verkündet. Trauen Sie sich, ihm/ ihr zu widersprechen oder seine/ ihre Botschaft, die meist überzogen ist, zu hinterfragen (um sie in ihrer Allgemeingültigkeit aufzulösen). [/dt_list_item]

    [dt_list_item image=““]Verstehen Sie den Inneren Kritiker als einen Teil von Ihnen, aber verwechseln Sie sich nicht mit ihm. (Schauen Sie mal auf die Folie 16 zum Inneren Parlament!)[/dt_list_item]

    [/dt_list]

    Wenn Sie mögen, schauen Sie sich doch alle Folien zum Vortrag an, die Ihnen viele nützliche Tipps an die Hand geben, was Sie tun können, um Ihre Ziele zu erreichen und den inneren Antreiber bzw. Kritiker zu bändigen:

    [dt_gap height=“10″ /]

    PS: Der Vortrag mit dem Titel „Auf dem Weg zum Ziel. Wie wir uns selbst verhindern und was wir dagegen tun können.“ war übrigens Teil einer Veranstaltungsreihe, die die Kontaktstelle Frau und Beruf und die Stadtbibliothek gemeinsam organisieren.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]